Pressestimmen 2007

 

Für den Auftrag gesegnet

Kirchen / Der Augsburger Bischof Dr. Walter Mixa sandte Petra Kohnle als Gemeindereferentin aus. Für ein Jahr darf sie noch in Königsbrunn bleiben.

Königsbrunn / Augsburg. In einem feierlichen Pontifikalamt hat Augsburgs Bischof Walter Mixa am vergangenen Samstag die sechs Gemeindereferenten, zwei Pastoralreferenten und zwei Pfarrhelferinnen dieses Jahrgangs ausgesandt. Er überreichte ihnen eine Bibel und segnete sie für ihren Dienst in der Gemeinde. Aus Königsbrunn wurde Petra Kohnle ausgesandt, die soeben ihre Ausbildung zur Gemeindereferentin abgeschlossen hat. Zum Pontifikalamt kam eine große Gruppe ihrer Anhänger aus den Jugendgruppen der Pfarreiengemeinschaft. Das Pontifikalamt begleiteten aus dem Chorgestühl des Mariendoms auch Pfarrer Bernd Weidner und Kaplan Manfred Bauer.

Die 28-jährige gebürtige Augsburgerin hatte nach einem freiwilligen Sozialen Jahr bei der Sozialstation Lechhausen an der katholischen Stiftungsfachhochschule in Benediktbeuren Soziale Arbeit studiert und die Zusatzqualifikation für Religionspädagogik erworben. Zudem absolvierte sie im Würzburger Fernkurs mehrere pastorale Kurse. „Mein Berufswunsch Gemeindereferentin zu werden, hatte ich eigentlich schon als ich mein Studium in Benediktbeuren aufnahm“, meinte Petra Kohnle. Vor drei Jahren begann sie Ihren Vorbereitungsdienst als Gemeindeassistentin zunächst in der Gögginger Pfarreiengemeinschaft, bevor sie vor zwei Jahren nach Königsbrunn wechselte. Hier setzte sie ihren Arbeitsschwerpunkt in der Jugendarbeit und der Taufpastoral. Petra Kohnle wird gemäß der Zusage der Diözese Augsburg noch ein Jahr in Königsbrunn als Gemeindereferentin wirken können und ihre Arbeit fortsetzen.

Gemeindereferenten werden seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ergänzend zu den Priestern und Diakonen in der Pastoral eingesetzt. Sie übernehmen vielschichtige Aufgaben, wie beispielsweise Religionsunterricht an den Schulen, die Leitung von Jugend- oder Seniorengruppen von Gesprächskreisen oder arbeiten bei der Vorbereitung auf die Sakramentenspendung mit. Auf Nachfrage lachte Petra Kohnle: „Nein, für uns gilt die Ehelosigkeit der Priester nicht.“ Recht viel mehr war ihrem Privatleben nicht zu entlocken. Doch, eines gab sie doch noch preis: Sie ist begeisterte Hobby-Badminton-Spielerin und wenn es die Zeit zulässt, dann reist sie gerne.

„Es muss nicht immer die Ferne sein, auch mit dem Auto sind ganz tolle Gegenden schnell und gut erreichbar“, meinte sie. (nelu)

Bischof Walter Mixa sandte in einem Pontifikalamt Petra Kohnle in ihren Dienst als Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 26. September 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Von Afrika nach Königsbrunn

KIRCHEN / Pater Patrick macht bereits zum zweiten Mal Urlaubsvertretung in der Diözese Augsburg in Königsbrunn. Er vereint Herzenswärme mit weltkatholischem Denkansatz.

Königsbrunn. Bei der Begegnung mit Pater Patrick strahlt dieser über das ganze Gesicht. Scheinbar kennt dieser Mann keine Sorgenfalten und kein grimmiges Gesicht. Stets lächelt er. Der 31-jährige kenianische Priester macht Urlaub von seinem Studium in Bonn. Urlaub heißt für ihn nicht faulenzen, sondern Seelsorgeeinsatz. Für die Zeit, während der Pfarrer Bernd Weidner und Kaplan Manfred Bauer ihren Urlaub genießen, musste eine Urlaubsvertretung gesucht werden. Das Generalvikariat der Diözese kann dabei helfen. Vor zwei Jahren kam Pater Patrick erstmals nach Königsbrunn zur Urlaubsvertretung.

Der junge Priester wurde bei Nairobi in Kenia, in Sichtweite zum Kilimandscharo geboren. Patrick Musau trat als junger Erwachsener in Nairobi ins Priesterseminar des Ordens der „Jünger Christi“ ein. Auf Geheiß seines Bischofs sollte er im Ausland studieren. Katholisch heißt weltumfassend und damit auch kulturenübergreifend. Der junge Patrick Musau dachte eher an Großbritannien als Studienort, weil Kenia frühere britische Kolonie war, doch sandte ihn sein Bischof 1999 nach Deutschland. Sein Ziel war die katholische Fakultät an der rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität in Bonn. 2004 kehrte er nach Nairobi zurück, wurde zum Diakon geweiht und machte in Kenias Hauptstadt sein Diakonatspraktikum. Drei Monate nach seiner Priesterweihe kehrte er zur Fortsetzung seines Studiums zurück. Pater Patrick absolviert derzeit sein Doktorandenstudium mit einer Arbeit zum Missionsauftrag der Kirche und der Entwicklung der Missionsgeschichte. Diese Urlaubsvertretung in Kö- Königsbrunn wird wohl die letzte Station für den jungen Priester sein. Im nächsten Sommer wird er wieder in Nairobi zurück erwartet.

Ein anderer Gottesdienst

Aus seiner Zeit als Diakon und Priester weiß er, dass die materielle Not in Nairobi größer ist als hierzulande. Auch habe der Priester einen anderen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft. Dort sei er einer, der um Rat gefragt werde, von dem ein helfendes Wort erwartet werde. Auch sei die Lösung von Problemen auf einer ganz anderen, oftmals existentiellen Ebene. Folglich sei das kirchliche Leben auch von einer anderen Mentalität bestimmt. Anders als auf dem Land sei es in der Stadt durchaus üblich, dass Gottesdienste zu festgelegten Zeiten angesetzt seien und auch nach rund eineinhalb Stunden zu Ende gingen. Der Ablauf sei liturgisch ähnlich aber nicht gleich. So werde das Evangelium feierlich durch die Kirche getragen, bevor es verlesen würde. Da der Priesterhaushalt von der Gemeinde unterhalten werden müsse, sei die Gabenprozession ein wichtiges Element im Gottesdienst. Vor dem Hochgebet würden in einer langen Prozession zunächst der Wein und die Hostien aus dem hinteren Bereich der Kirche zum Altar vor gebracht. „Dahinter gehen die Gottesdienstbesucher und bringen ihre Gaben, Gemüse, Obst oder anderes, was der Pfarrhaushalt zum Leben braucht“, berichtete Pater Patrick. Auch seien die Gottesdienste selbst, obwohl sie nach dem selben lateinischen Ritus aufgebaut seien, wesentlich lebhafter. Die Musik habe eine zentrale Stellung. Statt überlieferter Lieder setze der Chor, der fester Bestandteil der Messe sei, immer wieder neue Akzente mit Liedern, die durch aktuelle Texte zu Punkten der Liturgie zum Mitdenken und Mitbeten anregen würden. So lebe der Gottesdienst von dem Gesang der Gemeinde. Derzeit sind etwa 100 Priester aus dem Ausland zur Urlaubsvertretung in Pfarreien der Diözese Augsburg eingesetzt. (nelu)

Pater Patrick Musau mit zwei blonden Engeln. Anna-Lena Weber (links) und Christine Wilhelm ministrierten bei einem der vielen katholischen Gottesdienste. Der Priester übernahm auch alle Beerdigungen und Hochzeiten während der Urlaubszeit in Königsbrunn. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 29. August 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


149 Jahre Kirche St. Ulrich

KIRCHEN / Am 10. August wurde die erste (katholische) Kirche in Königsbrunn von Bischof Michael von Deinlein geweiht. Die Vorbereitungen für das Jubelfest in 2008 laufen langsam an.

Lutz Neumann

Königsbrunn. Im kommenden Jahr steht ein großes Fest für die Katholiken in Königsbrunn an: am 10. August 1858 wurde die Kirche von St. Ulrich als erste Kirche in Königsbrunn geweiht. Die Nepomuk-Kapelle zeugt vom bereits 252 Jahre alten katholischen Wirken im Bereich der heutigen Königsbrunner Gemarkung. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde wird 2011 das 150jährige Jubiläum der Kirche St. Johannes feiern. 

600 Katholiken lebten vor 150 Jahren in Königsbrunn. Die „protestantische Gemeinde“ hatte bereits signalisiert, eine Kirche bauen zu wollen. Da schickten sich auch die Katholiken an, ihr eigenes Gotteshaus zu errichten. Der Widerstand der Bobinger Mutterpfarrei war sehr groß, wie es der damalige Schriftverkehr dokumentiert. Am 900jährigen Erinnerungstag an die Entscheidung der Schlacht auf dem Lechfeld, am 10. August 1855, wurde der Grundstein für die Kirche gelegt. Drei Jahre später erfolgte die feierliche Weihe der Kirche durch den damaligen Augsburger Bischof Michael von Deinlein. 

Schon jetzt laufen in der Pfarrei St. Ulrich und der katholischen Pfarreiengemeinschaft Vorüberlegungen zur Gestaltung des Jubiläums. Nach Informationen der STADTZEITUNG gibt es Überlegungen, ein Festjahr zu gestalten, in dem in verschiedenen Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Installationen und sonstigen Festivitäten an die unterschiedlichen katholischen Aktivitäten in Königsbrunn im Wandel der Zeit bis auf den heutigen Tag erinnert werden soll. Eckpunkte oder Details sollen in den nächsten Monaten in den entsprechenden Gremien der Pfarreien erörtert werden. Höhepunkt könnte ein Pontifikalgottesdienst mit dem Bischof von Augsburg, Walter Mixa, sein. Zudem soll offenbar die geschichtliche Entwicklung von rund 110 Jahren eine katholische Kirche, dann die Erweiterung um zwei Pfarreien mit jeweils eigener Kirche und schließlich die organisatorische Zusammenführung der drei Pfarreien in Form der Pfarreiengemeinschaft in der Öffentlichkeit als eine katholische Einheit bewusst gemacht werden.

Der Regenbogen scheint der Kirche von St. Ulrich einen wetterfesten Rahmen zu geben. Vor 149 Jahren wurde sie als erste Königsbrunner Kirche geweiht. In 2008 steht das runde Jubiläum an. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 08. August 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Das Lebens ist gegenwärtig

KIRCHEN / Mehr als 800 Katholiken demonstrierten zu Fronleichnam in Königsbrunn ihren Glauben in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Stadt.

Königsbrunn. Der G8-Gipfel in Heiligendamm war auch bei der Königsbrunner Fronleichnamsprozession Thema der Ansprachen und der Gebete. Die globalen Themen sollten nicht be- und zerredet, sondern in christlicher Verantwortung miteinander angegangen werden, forderten die Pfarrer. Heuer organisierte die Pfarrei "St. Ulrich" die Prozession, die durch den Stadtkern führte.

Pfarrer Bernd Weidner sagte den Gläubigen, dass das Brot des Lebens gegenwärtig sei. Die Fronleichnamsprozession zeige, dass die Katholiken das Geheimnis des Glaubens in den Straßen der Stadt sichtbar machen würden. Durch die Gemeinschaft in Brot und Wein sei Jesus Christus gegenwärtig. Deshalb werde das Allerheiligste auch durch die Straßen getragen. Nur so sei das Fest Fronleichnam zu verstehen.

In seiner Predigt mahnte Weidner, dass Globalisierungsgegner und Gewittergegner eines gemeinsam hätten: Beide könnten den Fortgang der Ereignisse nicht verhindern. Wichtig sei, wie Globalisierung gestaltet würde. "Ein bisschen Afrika, ein bisschen Armut. Die Staatschefs sitzen innerhalb eines Zaunes. Davor demonstrieren die, die Angst vor der Globalisierung haben.
 
Einige Chaoten nutzen die Gelegenheit, um völlig sinnlos Gewalt und Hass zu schüren." Doch die Lösung der Probleme sei nicht in Heiligendamm, sondern in Jesus Christus zu finden. Macht und Profitgier könnten durch die Gemeinschaft mit Christus überwunden werden im Einsatz für die Mitmenschen. Sich für Frieden und Armut einzusetzen heiße, gemeinsam das Brot des Lebens zu essen und miteinander das Brot zu teilen.
 
Die Prozession wurde angeführt von Kreuzträgern, den Ministanten und Fahnenabordnungen vieler Vereine. Es folgten die festlich gekleideten Kommunionkinder und die Geistlichkeit. Daran schlossen sich die Schwestern der Kongregation "Dienerinnen Christi" an, die Honoratioren und die Menge der Gläubigen.
 
Der Weg führte zunächst zur Via-Claudia-Realschule. Im dortigen Pausenhof hatte die Pfarrjugend einen Altar zum Thema der Schöpfung aufgebaut. Der evangelische Dekan Volker Haug sagte in seinem geistlichen Grußwort, dass Gottes Schöpfung allein die Vielfalt und den Artenreichtum hervorgebracht habe. "Wir Christen müssen in der Welt Gesicht zeigen, ob vor Ort in Königsbrunn, beim evangelischen Kirchentag, der gerade in Köln stattfindet, oder wenn es um die Erhaltung unserer Erde gehe, wie beim G8-Gipfel.
 
Einen zweiten Altar hatte der katholische Männerverein vor dem Rathausportal aufgebaut. Von dort aus zogen die Gläubigen zum Europlatz. Der dort vom Frauenkreis "St. Ulrich" aufgebaute Altar gab dem Platz, auf dem vor wenigen Wochen junge Polizeianwärter vereidigt worden waren, ein neues Gesicht. Pfarrer Weidner erinnerte in einem Gebet auch an die Königsbrunner Polizisten, die ihren Beitrag zur Sicherheit des G8-Gipfels beitrugen. Abschließend zogen die Katholiken zurück zur Kirche "St. Ulrich".
 
Pfarrer Bernd Weidner wurde bei der Feier liturgisch von den beiden Kaplänen Manfred Bauer und Volodymyr Grytsyuk sowie Diakon Edgar Krumpen unterstützt. In der St. Ulrich-Kirche spendete Weidner den Gläubigen den eucharistischen Segen in traditionell lateinischer Form. (nelu)
 

In feierlicher Prozession wurde das Allerheiligste der Katholiken unter dem Baldachin durch die Straßen getragen. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 20. Juni 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Die "Göttliche Liturgie"

KIRCHEN / Eine Heilige Messe nach byzantinischem Ritus doch in deutscher Sprache wurde in der katholischen Kirche von St. Ulrich durch Kaplan Volodymyr Grystyuk abgehalten.

Lutz Neumann

Königsbrunn. Kaplan Volodymyr Grystyuk zelebrierte eine ausdrucksstarke heilige Messe nach der in deutscher Sprache gehaltenen "Göttlichen Liturgie des Heiligen Vaters Johannes Chrysostomos". Neben zwei Konzelebranten erlebten die Gläubigen die Sänger des Collegium Orientale aus Eichstätt mit ihren Chorälen. Fast die ganze Liturgie wurde gesungen, nicht gesprochen. Es gab keine Instrumentalmusik: Alle sangen a capella.

Die "Göttliche Liturgie" steht im Zentrum des byzantinisch-katholischen Glaubens. Charakteristisch für die ostkirchlichen Gottesdiensträume ist die Ikonenwand, mit Heiligendarstellungen, die den Gläubigen die Himmelsnähe geben soll. Als Ersatz standen in der Kirche von St. Ulrich links und rechts des Altars eine Marien- sowie eine Christus-Ikone.
 
Der traditionelle Chorgesang ist ein unverzichtbarer Teil der ostkirchlichen Liturgie. Die Besucher des Gottesdienstes erkannten schnell, dass ganz anders als im hierzulande vertrauten lateinischen Ritus, Priester und Chor während des gesamten Gottesdienstes miteinander im gesungenen Gebet und Hymnus verbunden sind. In den Wechselgesängen der "Göttlichen Liturgie" wird fortwährend Gott gedankt und die Dreieinigkeit Gottes mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist gelobt und gepriesen.
 
Ein weiteres Merkmal der Liturgie ist die wiederholte Ehrerbietung vor dem Haupt- und den Nebenaltären mit Weihrauch sowie die Bekreuzigung und Verneigung bei der Anrufung des dreieinigen Gottes.

Katholische Einheit

Kaplan Grystyuk ist Angehöriger der byzantinischen katholischen Kirche. Noch bis Ende Juli ergänzt er das Königsbrunner Priester-Team. Er erläuterte den Gläubigen den Ablauf der Liturgie und ging in seiner Predigt auf die weltumspannende Katholizität ein. "Der katholisch orthodoxe Dialog, der während des zweiten Vatikanischen Konzils vielversprechend begonnen hat, zeigt bislang nur wenige Erfolge, weil der politische Wille und nicht der christliche Wille die Oberhand hat", bemängelte der Priester in seiner Predigt die aktuelle Situation. Die katholische Einheit sei nicht eine Einheit des eigenen Ritus, sondern müsse die Einheit des Glaubens sein, forderte er. Gemeinsam seien die Gläubigen ein pilgerndes Gottesvolk. Ziel sei die Verbindung zu Gott.

Die heilige Kommunion wurde unter beiden Gestalten von Brot und Wein mit einem Kommunionlöffel in den Mund gereicht. Die Partikel der Eucharistie, die üblicherweise wie würfelförmiges Weißbrot aussehen, wurden dabei mit Ehrfurcht in das kostbare Blut des weingefüllten Kelches gegeben. Parallel spendeten Kaplan Manfred Bauer und Diakon Edgar Krumpen die Kommunion in Form der Hostien.

Unter dem Oberbegriff der uniierten Ostkrichen sind Kirchen des byzantinischen, armenischen, äthiopischen, koptischen und ost- und westsyrischen Ritus vereint. Sie erkennen den Rechts- und Lehrprimat des Papstes an, bewahren jedoch in der Kirchensprache, der Liturgie und der Spiritualität die Tradition ihrer Mutterkirchen. Der Byzantinischen Kirche steht der Patriarch von Kiew vor. Für ihn wurde ebenso gebetet, wie für den Papst in Rom und den Bischof von Augsburg.

Der vierköpfige Chor sowie ein liturgischer Assistent waren aus dem Collegium Orientale in Eichstätt angereist. Das Collegium wurde 1998 vom damaligen Eichstätter Bischof Walter Mixa gegründet. Sie sind Studenten der theologischen Fakultät an der dortigen Hochschule. Ihr freies Wochenende nutzten die Studenten zur Gestaltung der Messe in der Kirche von St. Ulrich.

Kaplan Volodymyr Grystyuk zelebrierte in St. Ulrich eine Messe nach dem byzantinisch katholischem Ritus. Das Bild zeigt die Bereitung der Speisen beim eucharistischen Hochgebet. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 20. Juni 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Personenkarussell der Pfarreiengemeinschaft

KIRCHEN / Personal im Wechsel: Manfred Bauer, Pater Patrick, Petra Kohnle, Volodymyr Grytsyuk.

Königsbrunn. Die katholische Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn kann sich über einige personelle Entscheidungen des Bistums freuen. Gerade für die Jugendarbeit wurde eine Wahl der Konstanz getroffen: Kaplan Manfred Bauer sowie die Gemeindeassistentin Petra Kohnle werden für ein weiteres Jahr der Pfarreiengemeinschaft angehören. Für beide hätte im Sommer eine Veränderung angestanden. Kaplan Manfred Bauer hätte sich nach vierjähriger Kaplanszeit auf eine Pfarrstelle bewerben können. In Absprache mit Pfarrer Bernd Weidner habe er beim Generalvikar um eine einjährige Verlängerung seiner Verwendung als Kaplan in Königsbrunn gebeten. Dieser Bitte habe der Generalvikar entsprochen, sagte Bauer. Gemeindeassistentin Petra Kohnle wird im Sommer ihre Ausbildung zur Gemeindereferentin abschließen und könnte sich somit um eine Stelle in einer Pfarrei bewerben. "Mir gefällt es in Königsbrunn sehr gut und ich möchte die Aufbauarbeit hier fortsetzen", begründete sie ihre Bitte an die Personalführung bei der Diözese, auch ihr ein weiteres Jahr in der Brunnenstadt zu ermöglichen.

Anfang September wird eine weitere Gemeindeassistentin in Königsbrunn ihre Arbeit aufnehmen. Sie nimmt ihre zweijährige praktische Ausbildung in der Pfarreiengemeinschaft auf. Als Religionspädagogin wird sie voraussichtlich in der Schulpastoral aber auch in der Frauen und vielleicht auch in der Seniorenarbeit ergänzende Schwerpunkte setzen können, wurde aus der Pfarrei bekannt. Details wolle Pfarrer Weidner noch festlegen.

Ab dem 4. August wird Pater Patrick für vier Wochen zur Urlaubsvertretung in die Pfarreiengemeinschaft kommen. Pater Patrick ist den Königsbrunner bereits aus seiner Zeit der Urlaubsvertretung im Sommer 2005 bekannt. Der Schwarzafrikaner spricht sehr gut deutsch und war in der Pfarreiengemeinschaft sehr beliebt.

Kaplan Volodymyr Grytsyuk wird nach halbjährigem Einsatz in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn Ende Juli verlassen. Er hat dann sein Promotionsstudium an der Augsburger Universität abgeschlossen und wird in seinem Heimatbistum in den USA, im Ort Parma, seine seelsorgerische Arbeit aufnehmen. (nelu)

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 20. Juni 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Ein großes Fest im kleinen Kreis

PORTRÄT / Pfarrer Rupert Ritzer feiert seinen 94. Geburtstag. Der Ehrenbürger der Stadt Königsbrunn hat Geschichte geschrieben.

Lutz Neumann

Königsbrunn. Am 26. April feiert der bischöfliche geistliche Rat, der ehemalige Stadtpfarrer Rupert Ritzer, seinen 94. Geburtstag. Mit 67 Jahren im Priesteramt gehört Ritzer zu den dienstältesten Priestern in der gesamten Diözese.

Rupert Ritzer hatte ursprünglich noch fünf Geschwister. Seine Eltern hatten einen Bauernhof in Freinhausen, bei Schrobenhausen. Am 18. Februar 1940 wurde er im damals tief verschneiten Dillinger Priesterseminar durch Augsburgs Bischof Josef Kumpfmüller zum Priester geweiht. Ritzer war als Sanitätssoldat im Zweiten Weltkrieg. Zwei Geschosse trafen ihn, eines in die Brieftasche, eine zweite Kugel durchbohrte seinen Oberschenkel. Erst nach dem Krieg wurde er Kaplan in St. Elisabeth in Augsburg, Pfarrer in Haunswies und Edenried und später in Ludwigsmoos und Klingsmoos. Dort hatte er einen einige Jahre danach weltberühmten Schüler unterrichtet: Theo Berger, "der Ausbrecherkönig vom Moos", wie ihn die Zeitungen nannten. Am 4. August 1964 kam der damals 51-jährige Pfarrer Rupert Ritzer nach Königsbrunn. Unter seiner Führung erfolgte die Gründung des katholischen Zentrums "Zur Göttlichen Vorsehung". Das fiel in die Zeit der ersten Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Mitte der achtziger Jahre erreichte Ritzer den Neubau des dritten katholischen Zentrums in der Brunnenstadt: "Maria unterm Kreuz".

Die Stadt Königsbrunn würdigte Ritzers Wirken am 3. August 1984 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. "Er hat vor allem im sozialen Bereich unermüdlich gewirkt und eine große Anzahl von Einrichtungen geschaffen, die dem Wohlergehen aller dienen", ist auf der Ehrenurkunde vermerkt. Dennoch wollte Ritzer nicht für seine Bauwerke geehrt werden. "Von Anfang an habe ich der Seelsorge den obersten Rang eingeräumt und meine Energie in erster Linie dafür eingesetzt", bekräftigte er. Bischof Dr. Josef Stimpfle ernannte Ritzer zum bischöflichen geistlichen Rat.

Mitte September 1987 zog sich Ritzer aus der Verantwortung für die Pfarrei St. Ulrich zurück. Doch statt den Ruhestand zu genießen, ließ er es sich nicht nehmen, weiterhin anfänglich dreimal wöchentlich die Messe im Altenheim St. Hedwig zu lesen und Seelsorgebesuche zu machen. Seit Jahresbeginn liest Ritzer noch einmal wöchentlich, am Samstag um 16 Uhr dort die Messe.

Seit einigen Monaten ist Pfarrer Ritzer mit einem Elektromobil unterwegs, damit er seine Beine entlasten kann. "Viel zu langsam", schimpft er über dieses Hilfsmittel. Rupert Ritzer ist der siebttälteste Priester in der Diözese Augsburg. Mit 67 Priesterjahren gehört er auch hier in die Gruppe der dienstältesten Priester der Diözese. Seit 48 Jahren sorgt sich Gabi Bauch als Pfarrhaushälterin um "ihren Herrn Pfarrer".

 

Ehrenbürger und bischöflich-geistlicher Rat Pfarrer Rupert Ritzer feiert nun seinen 94. Geburtstag. Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 25. April 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Ein verheirateter Priester

KIRCHE / Ukrainischer Kaplan unterstützt die katholischen Priester in der Brunnenstadt. Es gibt keinen Glaubensunterschied.

Lutz Neumann

Königsbrunn. Wenn am Dienstag Abend Kaplan Volodymyr Grytsyuk die Messe im Altenheim St. Hedwig liest, dann steht ein verheirateter katholischer Priester vor den Gläubigen. Der Kaplan gehört der ukrainischen Kirche an, die den byzantinisch-katholischen Ritus hat und die mit der römisch katholischen Kirche uniiert ist. Trotzdem hat sie eigenständige Elemente beibehalten. Der augenscheinlichste Unterschied ist die Möglichkeit zu heiraten. Die einzige Möglichkeit für einen byzantinisch orthodoxen Geistlichen zu heiraten ist, dies vor der Priesterweihe zu tun.

Als Jugendlicher erlebte Volodymyr den Untergang des Sowjetreiches. Das Christentum war mehr als vier Jahrzehnte lang verboten. Die Eltern durften ihre Kinder nicht christlich erziehen. Zu groß wäre die Gefahr gewesen, durch eine unbedachte Äußerung in der Schule die Staatsmacht auf sich aufmerksam zu machen, sagte er. Mit 15 Jahren, 1990, lernte er einen Mann in seiner Nachbarschaft kennen, der ihn durch seine lebenslang kathechetische Arbeit überzeugt hat. Zwei Jahre später trat er in das Priesterseminar im ukrainischen Lwiw, ehemals Lemberg, ein und begann sein Theologiestudium. Drei Jahre später setzte er sein Studium der Theologie in Innsbruck fort.

"Eigentlich begann alles wieder von vorne, weil die Behörden weder meinen Schulabschluss, noch meine universitären Leistungen anerkannt haben", meinte der Kaplan, der im Collegium Canisius, dem Haus der Jesuiten in Tirols Hauptstadt, mit den Patres der Ordensgemeinschaft lebte. Nach Abschluss seines Studiums kam der Student Volodymyr 2001 nach Augsburg. Er wollte sein Studium mit einer religionsphilosophischen Doktorarbeit zur Trinität am Lehrstuhl für Dogmatik abschließen. Derzeit schreibt er am zweiten Teil seiner Promotion, die er bis zum Sommer abgeben möchte.

Während eines seiner Heimaturlaube lernte er eine junge Frau kennen. Aus Freundschaft wurde Liebe und wurde eine gemeinsame Zukunft. Anfang 2006 heirateten sie beide. Im Herbst vergangenen Jahres empfing der Student durch einen ukrainischen Bischof seine Weihe zum Diakon. Seine Ehefrau hatte ihr schriftliches Einverständnis zur Weihe ihres Ehemannes zum Diakon und zum Priester abzugeben und dies dem Bischof vor dem Altar persönlich zu wiederholen. Der Kandidat wurde im selben Hochamt zum Priester geweiht.
Mittlerweile ist Volodymyr übrigens stolzer Vater eines knapp vier Monate alten Sohnes. "Den byzantinischen und den lateinischen Ritus trennen keine Glaubensfragen, sondern nur einzelne äußere Merkmale", betonte der junge Priester.

Kaplan Volodymyr gehört zur ukrainischen Kirche in Ohio/USA. Er wurde in München stellvertretend durch einen ukrainischen Bischof zum Priester geweiht. Der Kaplan erläuterte, dass es in seiner ukrainischen Heimat weit mehr Bewerber für das Priesteramt gebe, als derzeit dort benötigt seien. Deshalb gingen viele Priester ins Ausland. Deshalb hatte sein Ortsbischof auch das Studium in Westeuropa genehmigt. Sein vorerst endgültiger Dienstort wird die Stadt Parma/Ohio sein. Im Juli wird die Familie Grytsyuk von ihrem derzeitigen Domizil in Augsburg-Oberhausen nach Amerika umziehen. Für ein halbes Jahr hat er sich durch den Bischof von Augsburg in Teilzeit zur Mitarbeit in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn berufen lassen. Sein Schwerpunkt wird in der Seelsorge in den Altenheimen liegen, darüber hinaus wird er aber auch die beiden Priester, Pfarrer Bernd Weidner und Kaplan Manfred Bauer, durch die Übernahme von Messen entlasten. Kaplan Volodymyr liest die Messen nach dem geläufigen lateinischen Ritus.

Familienvater und Kaplan Volodymyr Grytsyuk unterstützt bis zur Jahresmitte die katholischen Pfarrer in Königsbrunn. Er übernimmt zahlreiche heilige Messen.
Foto: Lutz Neumann

Erschienen in der Königsbrunner Stadtzeitung vom 07. März 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.